Spendercrawl – Parteispenden-Analyse in Internet
Gemeinsam mit der Journalistin Christiane Schulzki-Haddouti hat ELIQOS in einem anschließenden Schritt die Beziehungen der Spender im Internet untereinander visualisiert und analysiert.
Ein Web-Crawler wurde mit knapp 250 Webadressen bzw. Links gefüttert, die über die Spender am meisten aussagen. Von jeder Startseite ging er von den dort gefundenen Verlinkungen jeweils drei Verlinkungen weiter. Auf diese Weise wurde die Vernetzung von rund 10.000 Webseiten untersucht. Die Websites, die untereinander verlinkt sind, stellte die Anwendung anschließend in einem Netzwerk dar. Websites, die keine Links zu anderen Websites des Crawls aufbauen, zeigte sie nicht an.
Das Ergebnis ist auf den ersten Blick überraschend. Die Auswertung ergab vorwiegend Websites, die institutionell miteinander eng verbunden sind wie etwa den Bundestag mit verschiedenen Ministerien oder die mit der politischen Agenda der Grünen sympathisieren. Die Grünen spielen im Bereich der Großspenden allerdings eine äußerst marginale Rolle. Die Spender aus dem bürgerlichen Lager sind auf dieser Karte nur mit der Lupe zu entdecken.
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Ein Link-Crawl ist also nicht geeignet, die realen Beziehungen der Spender untereinander abzubilden. Grund: Die meisten Unternehmen unterhalten Websites, die nicht zu anderen Unternehmen verlinken. Dagegen verlinken vor allem die Akteure untereinander, die eine ähnliche Agenda in einem öffentlichen Diskurs verfolgen.
Wesentlich aussagekräftiger hingegen wäre eine Netzwerkanalyse der Unternehmen, die nicht den Weblinks, sondern den Kapitalbeteiligungen oder Personenverflechtungen folgen würde. Lothar Krempel vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung hat den Niedergang der Deutschland AG auf Basis der Daten der Monopolkommission nachgezeichnet und zeigt über die Jahre 1996 bis 2006 die strukturellen Veränderungen der Beziehungen in der deutschen Wirtschaft. Ein Vergleich dieser Daten mit den Spendendaten ab 10.000 Euro hätte bei einer unverzüglichen Veröffentlichungspflicht die massierten Großspenden des Automobilbauers Porsche im Jahr 2006 auf einen Blick erklärt. So lange aber keine unmittelbare Transparenz der Spenden möglich ist, können solche Zusammenhänge nicht zeitnah entdeckt werden.
Managementberater Frank Behrend, der an dieser Analyse mitgewirkt hat, weiß aus Erfahrung: „Die Praxis zeigt, dass eine einzelne Einflussdimension, das heißt ein einzelnes Netzwerk, in vielen Fällen noch keine generelle Aussage über bestimmte Situationen oder gar Akteure erlaubt.“ An der Carnegie Mellon Universität wurde aus diesem Grund das so genannte Meta-Matrix-Framework entwickelt. Es verknüpft diverse relevante Einflussdimensionen wie Personen, Aufgaben, Ereignisse oder Örtlichkeiten miteinander und wertet sie aus. Im Falle der Parteispenden wären daher weitere Daten wie die Personen- oder Kapitalbeziehungen der Spender untereinander ein möglicher weiterer Ansatz.

